ARCHIV FÜR AUTOBAHN- UND STRASSENGESCHICHTE

Geschichte & Organisation | Historie & Gegenwart

Gedenkstein für den Rennfahrer Bernd Rosemeyer an der A5 in Fahrtrichtung Süd

Eines der bekanntesten Denkmäler an den deutschen Autobahnen ist der kleine Platz zur Erinnerung an einen Rennfahrer. Bernd Rosemeyer gehörte in den 1930er-Jahren zu den bekanntesten Persönlichkeiten im Automobil-Rennsport. In die Automobil-Geschichte ging er durch die legendären Zweikämpfe mit Rudolf Caracciola um den Geschwindigkeits-Weltrekord für Automobile ein.

Bernd Rosemeyer wurde am 14. Oktober 1909 in Lingen/Ems geboren. 1930 begann er seine Karriere mit Motorradrennen. Ab 1935 fuhr er als Werksfahrer Autorennen für die Zwickauer Auto-Union-Werke, für die er viele Pokale gewann und mehrere Geschwindigkeitsrekorde aufstellte. Die Heirat mit der Testpilotin Elly Beinhorn am 13. Juli 1936 (30. Mai 1907 - 28. November 2007) verhalf ihm seinerzeit zu noch mehr Popularität (heute würde man von einem „Glamour-Paar“ sprechen).

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Der Gedenkort befindet sich neben der Richtungsfahrbahn Darmstadt der A 5, ca.3 km südlich der Anschlussstelle Langen-Mörfelden. Von dem nur für PKW zugelassenen Parkplatz bei Betriebskilometer 508,0 sind es bis zum Denkmal auf einem unbefestigten Pfad etwa 50 m in südlicher Richtung. Das offizielle Schild der Autobahnverwaltung zeigt den Beginn des Fußweges, eine kurz danach platzierte, vermutlich privat errichtete Tafel, weist den Weg.

Die Strecke zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt war das erste Reichsautobahn-Teilstück. Mit dem Bau wurde bereits im Juli 1933 begonnen, doch gilt in der Autobahn-Historie der 23. September 1933 als offizieller Termin, weil damals Hitler am südlichen Mainufer bei Frankfurt den Ersten Spatenstich vollzogen und damit die ‚Erste Arbeitsschlacht’ eröffnet hatte (die ‚Zweite Arbeitsschlacht’ startete Hitler am 21. März 1934 mit dem ‚Ersten Spatenstich’ für die Reichsautobahn München – Landesgrenze bei Unterhaching, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf einer Länge von 34 km im Bau war). Für den Verkehr freigegeben wurde die rund 20 km lange Autobahn Frankfurt – Darmstadt am 19. Mai 1935.

Der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, nutzte ohne Skrupel die vom HaFraBa-Verein zwischen 1927 und 1932 fertig ausgearbeiteten Pläne für die Strecke Frankfurt – Mannheim/Heidelberg als Grundlage für den raschen Baubeginn südlich des Mains bei Frankfurt. Die Gewohnheit der Reichsbahn-Ingenieure, möglichst die kürzeste Verbindung zwischen zwei Zielorten zu suchen, führte die Autobahntrasse viele Kilometer lang schnurgerade durch den Frankfurter Stadtwald und den hessischen Staatswald sowie die Dorfgemarkungen in Richtung Darmstadt. Das schuf ideale Voraussetzungen für Rekordfahrten. Dem nationalsozialistischen Regime ging es darum, den Geschwindigkeits-Weltrekord für Rennwagen nach Deutschland zu holen und aller Welt die Leistungsfähigkeit deutscher Ingenieure im Fahrzeug- und Straßenbau vor Augen zu führen.

Am 28. Januar 1938 wurde auf Wunsch der Nationalsozialisten ein neuer Rekordversuch für die beiden Hersteller Mercedes Benz und Auto-Union angesetzt. Dabei gelang es Rudolf Caracciola als erstem Starter, mit seinem Mercedes-Rennwagen bei fliegendem Start 432,692 km/h (!) zu erreichen – der bisherige Weltrekord von Bernd Rosemeyer vom 26. Oktober 1937 (406,32 km/h) war überboten. Bei der danach folgenden Versuchsfahrt Rosemeyers auf Auto-Union wurde nach 5 km die für damalige Verhältnisse unglaubliche Geschwindigkeit von 440 km/h gemessen. Doch der an diesem Tage herrschende böige Seitenwind, auf den Caracciola seinen Kollegen vor dessen Start warnend hingewiesen hatte, wurde Rosemeyer zum Verhängnis.

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Kurz vor der Autobahnüberführung der Landstraße Erzhausen – Gräfenhausen (auf der vorstehenden Abbildung ist der rechte Teil des Ersatzneubaus der Brücke zu sehen) erfasste ihn an einer Waldschneise eine Windbö, wodurch der Rekordwagen Auftrieb erhielt und sich mehrmals überschlug. Rosemeyer wurde aus dem Auto geschleudert und verstarb an der Unfallstelle. Das Chassis des Wagens blieb rechts von der Fahrbahn auf der Bückenböschung liegen, die Trümmerteile waren auf der gesamten Fahrbahn verstreut.

Begraben wurde Bernd Rosemeyer in Berlin-Dahlem. Das an ihn erinnernde Denkmal wird auch heute noch von vielen Motorsportfreunden und Verehrern dieser nicht unumstrittenen Persönlichkeit der Automobilgeschichte aufgesucht.

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Erstaunlicherweise trug auch der gegenüberliegende Parkplatz an der Richtungsfahrbahn Darmstadt – Frankfurt südlich der Anschlussstelle Langen / Mörfelden bislang den Namen "Bernd Rosemeyer". Das führte in der Vergangenheit bei Autobahnnutzern immer wieder zu Irritationen, weil sie vergeblich nach der Gedenkstätte suchten. Auf Anfrage teilte die Straßenbauverwaltung Hessen Mobil am 30. Juli 2012 mit, dass es bis vor wenigen Jahren üblich gewesen war, direkt gegenüberliegenden Rastanlagen den gleichen Namen zu geben. Hessen hat bereits eine Umbenennung vorgeschlagen und vom BMVBS genehmigt bekommen. Die Umsetzung würde aus Gründen der wirtschaftlichen Verwendung der Haushaltsmittel allerdings erst erfolgen, wenn eine Erneuerung der Beschilderung ansteht.

Das scheint jetzt der Fall zu sein. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 26.2.2014 in einer kleinen Notiz meldete (FAZ Nr. 48, S. 41), sollen die Rosemeyer-Parkplätze auf Vorschlag des Bundesverkehrsministeriums nunmehr in „Bornbruch“ umbenannt werden. Wie dies? Es gibt eine „Richtlinie für die wegweisende Beschilderung auf Autobahnen“, Experten als Akronym RWBA bekannt. Danach sollen nicht bewirtschaftete Rastanlagen landschaftsbezogene Namen erhalten. 75 Jahre nach dem tödlichen Unfall bei seiner Rekordfahrt „stirbt“ Bernd Rosemeyer erneut – dieses Mal aber einen bürokratischen Tod.

Im Juni 2015 ‚starb’ Bernd Rosemeyer erneut, dieses Mal aber einen bürokratischen Tod, als im Zuge einer Änderung der Autobahnbeschilderung der Parkplatz in Fahrtrichtung Süden in „Bornbruch“ umbenannt wurde. In Fahrtrichtung Norden hatte der gegenüberliegende Parkplatz bereits 2014 den neuen Namen erhalten.

Literatur-Hinweis:
Peter Kirchberg: Bernd Rosemeyer – Die Schicksalsfahrt, Bielefeld 2010 (Verlag Delius-Klasing).

Text und Fotos: R. Ruppmann, Juli 2012/August 2017


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