ARCHIV FÜR AUTOBAHN- UND STRASSENGESCHICHTE

Geschichte & Organisation | Geschichte

Lauf a. d. Pegnitz und die Reichsautobahn

Beim Bau der Autobahn Berlin -München wurden im September 1937 die Städte Lauf und Nürnberg zunächst von Norden an das wachsende Straßennetz angeschlossen.1 Die Fortsetzung in Richtung Süden über Ingolstadt nach München wurde im Jahr darauf freigegeben. Die propagandawirksamen Eröffnungsfahrten fanden jeweils kurz vor den Nürnberger Reichsparteitagen im September statt.2 Die Arbeiten standen unter so großem Termindruck, dass manche Strecke nach der Eröffnung zunächst nur einspurig befahren werden konnte.

Im November 1938 machte NSKK-Führer Adolf Hühnlein3 durch eine Rekordfahrt von Berlin nach München Schlagzeilen.4 Für einen 528 km langen Streckenabschnitt auf der damals noch leeren Autobahn benötigte er viereinhalb Stunden. Darin eingeschlossen waren 25 Minuten für Tankstopp, Kaffeepause und zum Nachziehen der Wasserpumpe. Damit sollte gezeigt werden, dass über die Autobahn die nach dem Flugzeug zweitschnellste Verbindung zwischen beiden Städten möglich ist. Der Fernschnellzug brauchte schon siebeneinhalb Stunden.

Doch wie sah es für diejenigen aus, die keinen schnellen Sportwagen mit 5-l-Kompressormotor zur Verfügung hatten? Beim Durchblättern alter Kursbücher und bei der Lektüre von Pressemeldungen aus der Zeit nach September 1937 stellt man fest, dass schon vor dem Krieg die neuen Kraftfahrstraßen von der Reichsbahn zum Personentransport5 und von der Reichspost zum beschleunigten Posttransport genutzt wurden.

Busse1

In der Pegnitz-Zeitung vom 23.10.1937 stand die kurze Notiz, dass in Lauf an der Autobahn eine Haltestelle für Stromlinienomnibusse der Linie Nürnberg-Leipzig eingerichtet werden sollte. Diese Bushaltestelle sei von der Bedeutung her vergleichbar mit einer D-Zug-Station.

Ein Blick in alte Kursbücher6 der Reichsbahn aus den Jahren 1937 bis 1939 zeigt, dass zunächst zwischen Nürnberg und Leipzig eine solche Linie eingerichtet wurde, die dann im Sommer 1939 durch eine Wochenendverbindung zwischen Berlin und München ergänzt wurde. Die Laufer Haltestelle der Linie 1422 wurde mit „Lauf (Pegnitz) Reichsautobahn" bezeichnet. Aus den Kilometerangaben zwischen Lauf und Nürnberg kann geschlossen werden, dass die Route wohl später über die Ausfahrt Fischbach nach Nürnberg geführt wurde und nicht über Lauf und die Reichsstraße 14.7 Wie beliebt der Bushalt außerhalb der Stadt bei Fahrgästen aus Lauf war, wissen wir nicht.

Busse2

Die Reisedauer für die Wochenendverbindung von Berlin nach München betrug zehn Stunden. Mit der Aufnahme des Personentransports nach Kriegsende bekam Lauf einen Halt an der Omnibuslinie 78 Nürnberg-Hindenburgplatz - Erlenstegen - Hersbruck.8 Eine Haltestelle für Busse von Nürnberg nach Bayreuth und Hof über die Autobahn lag 1949 vor der ehemaligen Gaststätte Gramp am Salvatorfriedhof. Der Weg über die Bundesstraße war notwendig, da die Autobahnbrücke über die Pegnitz nach der Sprengung in den letzten Kriegstagen 1945 noch nicht wieder hergestellt war.

Fahrplan

Eine Haltestelle „Lauf (Pegnitz) Autobahn" findet sich in den verfügbaren Kursbüchern erst wieder ab den 50er Jahren für Busse der Linie 1421 auf dem Weg nach Bayreuth und Hof. Diese Haltestelle bestand weiter für die Bahnbuslinie 8934 und die Linie 311 des VGN. Erst mit dem Neubau der B 14 - Brücke über die Autobahn verschwand die ungewöhnliche Haltestelle außerhalb der Stadt endgültig mit dem Fahrplan 1998/97. Nur noch zwei Abschnitte der Linie 311 erinnern heute ansatzweise an den Langstreckenbusverkehr auf der Autobahn.

Im Mai 1939 führte die Reichspostdirektion Leipzig auf dem Autobahnabschnitt Leipzig - Nürnberg ein neues Transportmittel für die schnelle Brief- und Päckchenzustellung ein, den Kraftkurspostwagen (Kkpw, in anderen Quellen auch als Kraftpostkurswagen bezeichnet).9

Ähnlich wie bei den Bahnpostwagen, sollte Post während der Fahrt aufgenommen, sortiert und an vorgegebenen Haltepunkten wieder abgegeben werden. Der Postumschlag fand hierbei nicht mehr auf Bahnhöfen, sondern an den Anschlussstellen der Autobahn statt.

Vergleicht man Fotos aus dem Bildbericht der Pegnitz-Zeitung vom 30.6.1939 mit Archivbildern10 des DaimlerChrysler Unternehmensarchivs, so erkennt man ein rollendes Postamt auf Basis des Mercedes O 10000. Angetrieben von einem 150 PS-Dieselmotor mit 12,5 l Hubraum erreichte der 11,37 m lange Kkpw eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h. Das Fahrzeug hatte wegen der Postfächer im Innenraum nur wenige Seitenfenster, dafür aber Oberlichter.

Der Kkpw sollte zunächst nur die Autobahnhalte ansteuern, die im Bereich des Zwickels von Ein- und Ausfahrt über eine dritte Fahrspur zum Halt verfügten. Ein Zubringerfahrzeug des örtlichen Postamts sollte an den Kkpw über die Autobahnausfahrt heranfahren und nach beendetem Postaustausch die Autobahn über die Einfahrtsspur wieder verlassen. Nach unserem heutigen Verständnis wäre das Zubringerfahrzeug beim Umfahren der Dreiecksfläche zwischen Autobahn sowie der Ab- und Zufahrt zweimal zum Geisterfahrer geworden, [s. Abb. 6, S. 74]

Das Laufer Postamt sollte zunächst direkt vom Kkpw angesteuert werden. Nach dem Bericht der PZ sollte Post nach Nürnberg (Abfahrt Leipzig 04:10 Uhr - Lauf an 09:12 Uhr - Nürnberg an 09:45 Uhr) dort noch in die zweite Vormittagszustellung kommen. Post in Richtung Leipzig (Abfahrt Nürnberg 18:25 Uhr - Lauf an 18:57 Uhr - Leipzig an 23:55 Uhr) sollte am nächsten Morgen beim Empfänger sein.

Den Akten der OBR Nürnberg im Staatsarchiv Nürnberg kann man aber entnehmen, dass bereits im Juni 1939 die Route des Kkpw über Nürnberg-Fischbach geführt wurde. Somit müsste auch an der Autobahn in Lauf ein Postaustausch mit Zubringerfahrzeugen erfolgt sein. Im August 1939, noch bevor der zweite Weltkrieg begann, wurde die Kkpw-Linie eingestellt. Auf Nachfrage der Reichautobahndirektion Berlin vom 7. November 1939 wurde geantwortet, dass der Betrieb „von der RPD Leipzig ab 27. August b.a.w. eingestellt“ ist.

An eine Wiederaufnahme des Betriebs nach 1945 war nicht mehr zu denken. Die Post wird heute wieder über die Autobahn transportiert, jedoch sind die Lkw mit den gelben Containern weniger spektakulär als die Wagen der Kraftkurspost.

Postaustausch
 
Postaustausch an der Anschlussstelle Lauf (Skizze StAN, OBR Nürnberg, Rep. 292, 28.)

Literatur:

Autobahndirektion Nordbayern: 50 Jahre Autobahnbau in Nordbayern, Nürnberg 1984.
Handwörterbuch des Postwesens, 1953, S. 401.
O.V.: Mit der Kraftpost durch das schöne Deutschland, o.J., S. 10.
Sautter, Karl: Geschichte der Deutschen Post, Teil 3, o. O. 1951, S. 140 f.
Semlinger, Franz: Die Autobahn vom Hienberg bis zum Nürnberger Kreuz, Lauf 1998.
Stern,V. / Hartung, W.: Die Straßenfahrzeuge der Deutschen Bundesbahn, Teil 1, Bahnbusse, Teningen 2003.

Dank für Literaturhinweise und Bildmaterial:

H. Dr. Niemann, H. Heintzer, DaimlerChrysler Konzernarchiv, Stuttgart
H. Dipl.-Ing. Erich Horvay
H. Peter Burkhart, IVECO Magirus Altarchiv, Ulm
Fr. Dr. Spiegel, Museum für Kommunikation, Nürnberg
H. Hampel, DB Archiv im Verkehrsmuseum Nürnberg
H. Glückert, Stadtarchiv Lauf
Staatsarchiv Nürnberg

Anmerkungen

  1. StadtA Lauf, Pegnitz-Zeitung, Ausgaben V. 3.9.1937, 6.9.1937,10.9.1937.
  2. Pegnitz-Zeitung, 5.9.1938.
  3. Adolf Hühnlein (1881-1942), Führer des NS-Kraftfahrerkorps.
  4. Pegnitz-Zeitung. 8.11.1938. Einer ADAC-Karte aus dem Jahr 2003 konnte ein Orientierungswert für diese Strecke von 5 Stunden und 15 Minuten entnommen werden.
  5. V. Stern und W. Härtung: Die Straßenfahrzeuge der Deutschen Bundesbahn, Teil 1, Bahnbusse, BREKINA, Teningen 2003, S.7.
  6. DB Archiv im Verkehrsmuseum Nürnberg, FK IV (Reichsbahn) und FK V B (Nachkriegszeit DB).
  7. Pegnitz-Zeitung v. 15.2.1938. Abgebildet wurde eine Haltestelle am heutigen Friedensplatz. Die Entfernung zwischen Nürnberg Hbf Bahnhofsvorplatz und Lauf (Pegnitz) Reichsautobahn wurde im Sommerfahrplan 1938 mit 25 km angegeben. In der Nachkriegszeit sind es 18,4 km (DB Sommerfahrplan 1951). Streckenführung über Erlenstegen (5,0 km) - Lauf (Pegnitz) Stadt (16,4 km).
  8. Mitteilungsblatt der Militärregierung, des Landrats und der Bürgermeister im Landkreis Lauf a. d. Pegnitz v. 19.7.1945. Genannt wird ein Halt am Schlachthof.
  9. „Oberste Bauleitung der Reichsautobahnen Nürnberg“, StAN , Rep. 292, 28. Pegnitz-Zeitung v. 16.5.1939.
  10. Dort bezeichnet als Kraftpostkurswagen. Im neuen Mercedes-Benz Museum in Stuttgart ist ein O 10000 mit ähnlichem Aufbau ausgestellt, der zuletzt der Österreichischen Post als rollendes Postamt diente (Galerie der Lasten - C 6).

Recherche und Text: Reinhard-Ulrich Roth, Ludwigshafen
Der Beitrag erschien in den Mitteilungen des Vereins Altnürnberger Landschaft e.V., 55. Jg, Heft 2 (2006), S. 72-77.
Die Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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