ARCHIV FÜR AUTOBAHN- UND STRASSENGESCHICHTE

Geschichte & Organisation | Historie & Gegenwart

80 Jahre Bad Homburger Autobahnzubringer »Pappelallee«

Am 27. September 2016 kann die Pappelallee Geburtstag feiern. Sie wurde 80 Jahre zuvor zusammen mit der Einweihung der Autobahnteilstrecke Frankfurt-West (früher Frankfurt-Nord) – Bad Nauheim für den Verkehr offiziell freigegeben.

Wegen der späten Genehmigung durch die Reichsautobahnleitung in Berlin hatte der Bau des Bad Homburger Autobahnzubringers erst am 8. Juni 1936 beginnen können. Beim letzten Stück zwischen der Eisenbahnbrücke und dem Anschluss an die Umgehungsstraße (früher Ferdinandanlage, heute Hessenring) musste ein ziemlich tiefer Graben – die „Kieskaut“ – zugeschüttet werden, was im Drei-Schicht-Betrieb erfolgte. Deshalb war dieses etwa 100 m lange Straßenstück bei der Einweihung noch geschottert.

Naturgemäß fehlte bei der Eröffnung der Straße noch die Bepflanzung, und letzte Restarbeiten waren zu erledigen. Doch seit dem Aufwuchs der Pappeln hat sich
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das Erscheinungsbild der Allee lediglich im Bereich der Südumgehung und des Anschlusses an die A 661 verändert; im stadtnahen Teil blieb der ursprüngliche Charakter hingegen weitgehend erhalten. Die Fahrbahnbreite beträgt nach wie vor 6 Meter und die Wasserabzugsgräben sind noch heute zu erkennen. Pappeln wurden nur dann gefällt, wenn sie morsch waren und den Verkehr zu gefährden drohten. Unter der Fahrbahndecke aus Bitumen liegt vermutlich immer noch der ursprüngliche Straßenbelag. Einige Querrillen lassen vermuten, dass es Betonplatten sind.

Seinerzeit verliefen rund 1 km des Zubringers auf preußischem Gebiet (Gemarkung Bad Homburg) und 1,5 km auf dem Gebiet des Volksstaates Hessen, zu dem das Dorf Ober-Eschbach gehörte. Den Grunderwerb für den Zubringer und die anfallenden Vermessungskosten finanzierte die Darmstädter Regierung, während der Bau der Straße zu Lasten des Etats des preußischen Regierungsbezirks Wiesbaden ging.

Bild 1: Der Autobahnzubringer Pappelallee heute.
© Foto: Reiner Ruppmann 2012

Zum Zuge kam der vom Bezirksverband Wiesbaden vorgeschlagene Entwurf (geschwungene Linie), mit der die Zerstückelung der Felder der Gemeinde Ober-Eschbach möglichst gering gehalten und ein umfangreiches Umlegungs-Verfahren vermieden werden konnte. Die gerade Variante hatte die Oberste Bauleitung Reichsautobahnen in Frankfurt/M. entworfen; sie wurde von der zuständigen preußischen Behörde beim Regierungspräsidium in Wiesbaden nicht genehmigt.

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Karte: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW), Abt. 485, Nr. 448
(Repro und Kolorierung Reiner Ruppmann)

Beide Entwürfe nutzten die bereits vorhandene Eisenbahnbrücke über einen Feldweg, die vermutlich schon 1906 im Zusammenhang mit dem Bau des 1907 eingeweihten neuen Homburger Zentralbahnhofs errichtet worden war.

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Bild 2: Blick durch die vermutlich bereits 1906 gebaute Eisenbahnunterführung
auf die für den Autobahnzubringer zugeschüttete vormalige ‚Kieskaut’.
© Foto: Reiner Ruppmann 2010


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Die Stadtverwaltung erhoffte sich durch den direkten Anschluss Bad Homburgs an die Reichsautobahn und die Hinweisschilder an der Anschlussstelle einen touristischen Aufschwung und eine deutliche Belebung des Kurbetriebs. Zeitungsberichte sprachen vom „Tor zum Taunus“.

Diese Vorstellung griff die Kurverwaltung in einem Werbeprospekt auf, der die Kurstadt bewusst als ‚Heilbad’ inszenierte, um das frühere Image des ‚Luxusbades’ abzustreifen. Die Autobahn auf der Titelseite schien geradewegs in die Stadt hineinzuführen.

Bild 3: Prospekt für das Heilbad Bad Homburg, 1936.
© Kur- und Kongress GmbH, Bad Homburg

Wie schon in den 1920er Jahren gab es erneut Bestrebungen, Bad Homburg als Gartenstadt zu positionieren. Die Stadtverwaltung hatte sich deshalb entschlossen, entlang des Hardtwaldes eine neue Siedlungsstraße anzulegen (der heutige Paul-Ehrlich-Weg), ohne von den Neuzuziehenden Straßenanliegerkosten zu erheben.

Das unbebaute Bahnhofsvorgelände sollte gartenbaulich großzügig gestaltet werden, um den Charakter der Gartenstadt zu unterstreichen.

Am 15. November 1936 eröffnete die Deutsche Reichsbahn den Kraftwagenschnellverkehr vom Frankfurter Hauptbahnhof über Bad Homburg-Kurhaus nach Bad Nauheim. Bis Kriegsbeginn am 1. September 1939 verkehrten die Spezial-Omnibusse drei Mal täglich. Eine Fahrt von Frankfurt nach Bad Homburg entsprach dem Eilzugtarif und kostete 0,90 Reichsmark.

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Bild 4: Stromlinienförmiger Mercedes-Omnibus für den Autobahn-Schnellverkehr
am Südportal des Frankfurter Hauptbahnhofs. © Foto: Sammlung Volkhard Stern


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